Gesamtswirtschaftliche Projektionen für Belgien

Die Belgische Nationalbank veröffentlicht zweimal jährlich ihre gesamtwirtschaftlichen Projektionen für Belgien. Die wichtigsten Ergebnisse werden hier dargestellt.  In der Wirtschaftsrevue vom Juni 2020 werden diese Ergebnisse ausführlicher erläutert.

Die Prognosen werden im Rahmen gemeinschaftlicher Projektionen des Eurosystems erstellt und beruhen auf technischen Annahmen und internationalen Prognosen, die von der EZB und den Zentralbanken der Eurozone gemeinsam formuliert werden. Dabei werden nur verabschiedete Maßnahmen berücksichtigt oder solche, deren Verabschiedung sehr wahrscheinlich ist, und bei denen die Art und Weise der Umsetzung zu dem Zeitpunkt bereits hinreichend bekannt war, zu dem die Arbeiten an der Projektion abgeschlossen wurden. Der Projektionszeitraum erstreckt sich bis zum Jahr t+3 (im vorliegenden Fall bis 2022); für weiter entfernte Jahre nimmt die Fehlerquote hinsichtlich der Projektionen zu, unter anderem weil die Annahmen, insbesondere die mit Bezug auf das internationale Umfeld, zunehmend unsicher sind. Durch die Unsicherheit hinsichtlich des weiteren Verlaufs der Covid-19-Gesundheitskrise und der Wiederbelebung der Nachfrage sind diese Projektionen mit erheblichen Abwärtsrisiken verbunden, die größer sind als üblich.

Die aktuellsten, am 8. Juni 2020 veröffentlichten Projektionen für Belgien wurden am 25. Mai 2020 abgeschlossen. Die entsprechenden Ergebnisse für die Eurozone werden auf der  dafür bestimmten Website der EZB veröffentlicht.

Die Wirtschaftstätigkeit in Belgien schrumpfte in diesem Jahr um 9%, was auf die restriktiven Maßnahmen zurückzuführen ist, die zur Verhinderung der Ausbreitung der Covid-19-Pandemie verhängt wurden. Mit der schrittweisen Aufhebung der Eindämmungsmaßnahmen dürfte sich die Wirtschaft allmählich erholen, und das Wachstum dürfte 2021 6,4 % und 2022 2,3 % erreichen. Die Erholung der Wirtschaft würde hauptsächlich durch den Verbrauch der privaten Haushalte angetrieben, was dem Nachholbedarf, aber auch dem steigenden Kaufkraft zuzuschreiben ist. Andererseits wird die Erholung der Unternehmensinvestitionen etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen, und das Wachstum wird während des gesamten Projektionszeitraums weiterhin belastet durch die Nettoexporte. Auf dem Arbeitsmarkt gehen vor allem kurzfristig eine große Zahl von Arbeitsplätzen verloren, obwohl die Arbeitsplatzschaffung ab dem Frühjahr 2021 wieder anziehen wird. Die Arbeitslosenquote, die im vergangenen Jahr historisch niedrig war, wird im nächsten Jahr voraussichtlich auf über 8 % steigen. Es wird erwartet, dass die Inflation im Jahr 2020 kaum 0,3% betragen wird, was hauptsächlich auf den Rückgang der Energiepreise zurückzuführen ist. Bis 2022 soll sie auf 1,8% steigen. Das öffentliche Defizit wird für das Jahr 2020 auf 10,6 % des BIP geschätzt und würde danach zurückgehen, aber bei etwa 6 % des BIP bleiben.

Gesamtwirtschaftliche Projektionen für Belgien: Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse 

 

2018

2019

2020r

2021r

2022r

BIP (real)
(Veränderung in Prozent)

1,5

1,4

-9,0

6,4

2,3

Inlandsbeschäftigung
(durchschnittliche jährliche Veränderung, in Personen)

65 700

76 800

-66 700

-22 700

60 600

Arbeitslosenquote
(in % der Erwerbsbevölkerung)¹

6,0

5,4

7,3

8,3

7,6

Inflation
(HVPI – Veränderung in Prozent)

2,3

1,2

0,3

1,4

1,8

Finanzierungssaldo der staatlichen Verwaltungen (in % des BIP)

-0,8

-1,9

-10,6

-6,0

-5,9

Staatsverschuldung
(in % des BIP)

99,9

98,7

118,1

116,5

119,0

Quelle: BNB
15-64-Jährige, Bruttodaten.

Redaktionsschluss: 25. Mai 2020. Nächste Veröffentlichung: Dezember 2020.