Gesamtswirtschaftliche Projektionen für Belgien

Die Belgische Nationalbank veröffentlicht zweimal jährlich ihre gesamtwirtschaftlichen Projektionen für Belgien. Die wichtigsten Ergebnisse werden hier dargestellt. In der Wirtschaftsrevue vom Dezember 2021 werden diese Ergebnisse ausführlicher erläutert.

Die Projektionen werden im Rahmen gemeinschaftlicher Projektionen des Eurosystems erstellt und beruhen dazu auf technischen Annahmen und internationalen Projektionen, die von der EZB und den nationalen Zentralbanken des Eurogebiets gemeinsam formuliert werden. Dabei werden nur verabschiedete Maßnahmen berücksichtigt oder solche, deren Verabschiedung sehr wahrscheinlich ist und bei denen die Art und Weise der Umsetzung zu dem Zeitpunkt, an dem die Arbeiten an der Projektion abgeschlossen wurden, bereits hinreichend bekannt war. Der Projektionszeitraum erstreckt sich bis zum Jahr t+3 (im vorliegenden Fall bis 2024);  für weiter entfernte Jahre nimmt die Fehlerquote hinsichtlich der Projektionen zu, unter anderem weil die Annahmen, insbesondere im Zusammenhang mit dem internationalen Umfeld, zunehmend unsicher sind. Durch die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Covid-19-Gesundheitskrise und über die Wiederbelebung der Nachfrage sind diese Projektionen mit erheblichen Aufwärts- und Abwärtsrisiken verbunden.

Die aktuellsten, am 17. Dezember 2021 veröffentlichten Projektionen für Belgien wurden am 1. Dezember 2021 abgeschlossen. Die entsprechenden Ergebnisse fürs Eurogebiet werden auf der dafür bestimmten Website der EZB veröffentlicht.

Die Wirtschaftstätigkeit in Belgien verlangsamt sich deutlich und wird aufgrund von Lieferproblemen, steigenden (Energie-)Preisen und einer sich verschlechternden Gesundheitslage kurzfristig kaum zunehmen. In dem Maße, wie sich die verschiedenen Gegenwinde abschwächen, wird das Wachstum ab Frühjahr 2022 vorübergehend wieder festeren Boden gewinnen. Nach dem kräftigen Wachstum von über 6 % im Jahr 2021 wird die Wirtschaftstätigkeit im Jahr 2022 insgesamt voraussichtlich um rund 2,6 % auf Jahresbasis zulegen. Das Wachstum wird sich in den kommenden Jahren weiter bei 2,4 % im Jahr 2023 und 1,6 % im Jahr 2024 normalisieren. Der Arbeitsmarkt bleibt sehr robust: die Schaffung von Arbeitsplätzen verlangsamt sich, bleibt aber positiv. Die Arbeitslosenquote sinkt weiter kontinuierlich auf 5,7 % im Jahr 2024. Die Inflation steigt, getrieben durch steigende Energiepreise und Zweitrundeneffekte, wird aber 2022 ihren höchsten Stand erreichen (4,9 %) und geht danach drastisch zurück. Eine langfristige Lohn-Preis-Spirale ist nicht zu erwarten. Das öffentliche Defizit wird für 2021 auf 6,3 % des BIP geschätzt und wird auch am Ende des Projektionszeitraums über 4 % des BIP liegen. Die Staatsverschuldung weist einen Aufwärtstrend auf.

Gesamtwirtschaftliche Projektionen für Belgien: Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse 

 

2020

2021r

2022r

2023r

2024r

BIP (real)
(Veränderung in Prozent)

-5,7

6,1

2,6

2,4

 1,6

Inlandsbeschäftigung
(durchschnittliche jährliche Veränderung, in Personen)

-800

81 000

44 000

40 700

 38 700

Arbeitslosenquote
(in % der Erwerbsbevölkerung)¹

5,6

6,3

6,1

5,9

5,7

Inflation
(HVPI – Veränderung in Prozent)

0,4

3,2

4,9

1,2

 1,2

Finanzierungssaldo der staatlichen Verwaltungen
(in % des BIP)

-9,1

-6,3

-4,2

-4,0

 -4,2

Staatsverschuldung
(in % des BIP)

112,8

108,9

107,4

108,9

111,9

Quelle: BNB

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Redaktionsschluss: 01.12.2021. Nächste Veröffentlichung: Juni 2022.