Gesamtswirtschaftliche Projektionen für Belgien

Die Belgische Nationalbank veröffentlicht zweimal jährlich ihre gesamtwirtschaftlichen Projektionen für Belgien. Die wichtigsten Ergebnisse werden hier dargestellt. In der Wirtschaftsrevue vom Juni 2022 werden diese Ergebnisse ausführlicher erläutert.

Die Projektionen werden im Rahmen gemeinschaftlicher Projektionen des Eurosystems erstellt und beruhen dazu auf technischen Annahmen und internationalen Projektionen, die von der EZB und den nationalen Zentralbanken des Eurogebiets gemeinsam formuliert werden. Dabei werden nur verabschiedete Maßnahmen berücksichtigt oder solche, deren Verabschiedung sehr wahrscheinlich ist und bei denen die Art und Weise der Umsetzung zu dem Zeitpunkt, an dem die Arbeiten an der Projektion abgeschlossen wurden, bereits hinreichend bekannt war. Der Projektionszeitraum erstreckt sich bis zum Jahr t+3 (im vorliegenden Fall bis 2024). Für weiter entfernte Jahre nimmt die Fehlerquote hinsichtlich der Projektionen zu, unter anderem weil die Annahmen, insbesondere im Zusammenhang mit dem internationalen Umfeld, zunehmend unsicher sind. Durch die Unsicherheit über den weiteren Verlauf des Krieges, die Wirtschaftssanktionen und ihre Auswirkungen auf die internationalen Energie- und Rohstoffmärkte ist die Unsicherheit bei diesen Projektionen größer als sonst.

Die aktuellsten Projektionen für Belgien wurden am 24. Mai abgeschlossen und am 13. Juni 2022 veröffentlicht. Die entsprechenden Ergebnisse für die Eurozone werden auf der dafür bestimmten Website der EZB veröffentlicht.

Die belgische Wirtschaft verliert vorübergehend an Schwung, was auf die hohen (Energie-)Preise und die neuen Störungen in der globalen Lieferkette durch den Krieg in der Ukraine und den strengen Covid-19-Lockdown in China zurückzuführen ist. Der Energieschock ist eine deutliche Verarmung für die belgische Wirtschaft. Diese bleibt aber widerstandsfähig und das Wirtschaftswachstum würde sich ab Ende dieses Jahres wieder anziehen, da sich die verschiedenen Gegenwinde abschwächen. Insgesamt dürfte die Wirtschaftstätigkeit im Jahr 2022 um etwa 2,4 % auf Jahresbasis zunehmen. Die jährliche Wachstumsrate sinkt 2023 vorübergehend auf 1,5 % und steigt 2024 wieder auf 2 %. Der Arbeitsmarkt bleibt sehr robust: Die Schaffung von Arbeitsplätzen verlangsamt sich etwas, bleibt aber positiv. Die Arbeitslosenquote ist mit rund 5,7 % weiterhin historisch niedrig. Die Inflation hat aufgrund der steigenden Energiepreise und der Zweitrundeneffekte zugenommen, dürfte aber im Mai ihren Höhepunkt erreicht haben und allmählich zurückgehen, wenn sich die Energiepreise abschwächen und die Lieferketten normalisieren. Sie fällt von durchschnittlich 8,2 % im Jahr 2022 auf 1,3 % im Jahr 2024. Das gesamtstaatliche Defizit wird für das Jahr 2022 auf 4,5 % des BIP geschätzt und wird sich im Projektionszeitraum weiter auf 5 % des BIP im Jahr 2024 verschlechtern. Die Staatsverschuldung ist im Aufwärtstrend.

Gesamtwirtschaftliche Projektionen für Belgien: Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse 

 

2020

2021

2022r

2023r

2024r

BIP nach Volumen
(Veränderung in Prozent)

-5,7

6,2

2,4

1,5

 2,0

Inlandsbeschäftigung
(durchschnittliche jährliche Veränderung, in Personen)

-800

86000

84700

28900

 36700

Arbeitslosenquote
(in % der Erwerbsbevölkerung)¹

5,6

6,3

5,7

5,8

5,7

Inflation
(HVPI – Veränderung in Prozent)

0,4

3,2

8,2

2,6

 1,3

Finanzierungssaldo der staatlichen Verwaltungen
(in % des BIP)

-9,0

-5,5

-4,5

-4,5

 -5,0

Staatsverschuldung
(in % des BIP)

112,8

108,2

105,3

107,9

110,9

Quelle: BNB

1 15-64-Jährige, Bruttodaten

Abschlussdatum: Dienstag, 24. Mai 2022. Nächste Veröffentlichung: Dezember 2022