Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen: die Aufgabe der Economic Risk Management Group

Welches Ausmaß haben die Folgen dieser Krise für die Wirtschaft? Welche Unterstützungsmaßnahmen sind erforderlich?  Welche Unternehmen müssen wir unbedingt am Laufen halten, weil sie derzeit von entscheidender Bedeutung für unsere Gesellschaft sind? Auf diese und viele andere Fragen bietet die Economic Risk Management Group eine Antwort.

ERMG

Die Coronavirus-Pandemie stellt nicht nur unser Gesundheitssystem vor viele Herausforderungen. Auch Unternehmen, Selbständige und Haushalte spüren die Folgen.  Die dringend erforderlichen Präventivmaßnahmen haben in einigen Wirtschaftsbereichen sogar zur völligen Einstellung der Tätigkeit geführt.  In anderen Wirtschaftsbereichen wird der Betrieb in geringerem Umfang weitergeführt. Fast jedes Unternehmen spürt heute die Auswirkungen.

Um diese wirtschaftlichen Folgen zu ermitteln, beschloss die Regierung am 19. März, die Economic Risk Management Group (ERMG) zu gründen.

Welche Aufgabe hat die Economic Risk Management Group?

Die Economic Risk Management Group hat 3 Aufgaben:

  • Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf Unternehmen, Sektoren und Finanzmärkte zu messen;
  • Die Betriebskontinuität von Unternehmen und Infrastrukturen, die für unser Land sehr kritisch sind, zu gewährleisten (Business Continuity);
  • Der Regierung Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Krise vorzuschlagen.

Welches Hauptziel wird angestrebt?

Hauptziel der ERMG ist es, Maßnahmen für Unternehmen und Familien zu ergreifen, die es ihnen ermöglichen, diese Krise zu überbrücken, und die Wirtschaft schnell wieder in Gang zu bringen, sobald die Coronavirus-Verschleppung eingedämmt ist. Damit sollen Konkurse oder Arbeitsplatzverluste so weit wie möglich vermieden werden.

Wie groß ist diese Krise?

Die ERMG versucht, die wirtschaftlichen Auswirkungen so gut wie möglich zu ermitteln, was nicht einfach ist, da die traditionellen Wirtschaftsindikatoren für diesen Zweck weniger geeignet sind.  Aus diesem Grund hat die Nationalbank in Zusammenarbeit mit bestimmten öffentlichen Einrichtungen und mit großer Unterstützung der Wirtschaftsverbände neue Messinstrumente entwickelt.  Es ist noch zu früh, um objektive Zahlen zur Krise zu veröffentlichen.

Wir können jedoch sagen, dass die Auswirkungen gravierend sind, dass wir aber erwarten, dass sie vorübergehender Natur sein werden. Wir wollen daher nicht in eine Kriegsrhetorik verfallen. Unsere wirtschaftliche Infrastruktur war vor der Krise gesund und ist durch diese Krise nicht vernichtet worden. Sie kann daher so bald wie möglich wieder in Gang gesetzt werden.

Welche Maßnahmen ergreift die Economic Risk Management Group oder wird sie ergreifen?

Die ERMG ergreift selbst keine Maßnahmen, sondern unterbreitet der Regierung konkrete Vorschläge zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Auswirkungen einerseits und zur Gewährleistung der Geschäftskontinuität andererseits. 

Diese Maßnahmen sind tatkräftig und gezielt, aber zeitlich begrenzt.  Tatkräftig, weil die Auswirkungen auf Unternehmen und Selbständige sehr schwerwiegend sind. Gezielt, weil wir uns auf die am stärksten betroffenen Einheiten konzentrieren. Und zwar vorübergehend, weil sich diese Krise, sobald die Pandemie unter Kontrolle ist, abschwächen wird, und weil wir langfristig schwere Auswirkungen auf die öffentlichen Finanzen vermeiden müssen.

Was sind die Prioritäten in dieser Krise?

In erster Linie muss die Gesundheitskrise eingedämmt werden, denn nur dann können sich Wirtschaft und Unternehmen erholen.  Das ist das Wichtigste, aber dies fällt nicht in den Aufgabenbereich der ERMG.

Oberste Priorität der ERMG ist es, die Liquiditätslage der Unternehmen und Selbständigen zu bewahren. Aus den Reaktionen der Unternehmen geht hervor, dass dies - obwohl größte Vorsicht geboten ist - derzeit weitgehend der Fall ist, dank der verschiedenen Maßnahmen, die die Regierung, die Banken und die Versicherungsunternehmen bereits ergriffen haben (Zahlungsaufschub für die Arbeitgeberbeiträge und bestimmte Steuern, Moratorium für die Tilgung von Krediten bis September für gesunde Unternehmen, staatliche Garantien für neue Kredite, Zahlungsaufschub für bestimmte Versicherungsprämien für von der Krise betroffene Personen und Unternehmen usw.).

Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass Unternehmen, die für unser Land, unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft kritisch sind, ihren Betrieb fortsetzen können. Dabei müssen wir auch versuchen zu verhindern, dass in den kommenden Wochen wichtige Solvenzprobleme entstehen.

Sobald die Gesundheitskrise hinter uns liegt, werden wir uns auf die nachhaltige Wiederherstellung unserer Wirtschaft, unserer Unternehmen und unserer Selbständigen konzentrieren.

Wie ist die Economic Risk Management Group zusammengesetzt?

Den Vorsitz der ERMG führen der Gouverneur der Nationalbank, Pierre Wunsch, und Dr. Piet Vanthemsche.  Während sich der Gouverneur hauptsächlich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen und den Folgen für das Finanzsystem unseres Landes befasst, konzentriert sich Dr. Vanthemsche auf die Geschäftskontinuität und die Koordinierung mit der Arbeitsgruppe, die für den medizinisch-präventiven Ansatz zur Bewältigung der Krise zuständig ist.

Darüber umfasst die ERMG die wichtigsten Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen, wie der Arbeitgeberverband VBO/FEB, Unizo und die Union Wallonne des Entreprises, VOKA, Febelfin, der Boerenbond, die 3 großen Gewerkschaften usw.

Die ERMG kann auf eine umfangreiche Unterstützung durch die Nationalbank zählen.  Mehr als 100 Mitarbeiter aus den Bereichen Studien, Statistik, Banken- und Versicherungsaufsicht, makroprudenzielle Dienste, Wirtschaftsbeziehungen und Kommunikation leisten Vollzeitunterstützung.

Kann ich als Unternehmen meine Probleme dieser Gruppe vorlegen?

Die ERMG sammelt über die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen und anhand eigener Studien die notwendigen wirtschaftlichen Informationen über die Lage in den verschiedenen Wirtschaftszweigen unseres Landes. Auch mit den Unternehmen wird ein gezielter Dialog geführt. Es ist daher nicht beabsichtigt, dass einzelne Unternehmen die ERMG selbst kontaktieren.  Wir empfehlen den einzelnen Unternehmen, die Informationen, die die ERMG erreichen sollte, an ihre Branchenverbänden zu übermitteln.

Wie wird die Arbeit innerhalb der ERMG verteilt?

ERMG

Die ERMG hat acht Arbeitsgruppen eingerichtet, die jeweils eine spezifische Aufgabe haben. Diese Arbeitsgruppen setzen sich aus Experten von Arbeitgeber-/Arbeitnehmerorganisationen und öffentlichen Einrichtungen wie der Nationalbank, dem Föderalen Planbüro, der Föderalen Beteiligungs- und Investitionsgesellschaft und der FÖD Wirtschaft zusammen. Ein Überblick:

  • Echtzeitüberwachung der Wirtschaft (unter der Leitung von Geert Langenus/BNB)
    Diese Arbeitsgruppe schätzt die wirtschaftlichen Auswirkungen so vollständig wie möglich ein, und entwickelte zu diesem Zweck zahlreiche (neue) Parameter und (Unternehmens-)Umfragen.
  • Makroökonomische Aussichten und Szenarien (unter der Leitung von Xavier Debrun/BNB)
    Diese Arbeitsgruppe analysiert die Krise vor allem aus makroökonomischer Sicht und untersucht die zahlreichen makroökonomischen Szenarien und ihre Folgen für die belgische Wirtschaft.
  • Auswirkungen auf den Haushalt (unter der Leitung von Philippe Donnay/Föderales Planbüro)
    Welche sind die finanziellen Auswirkungen? Wie viel kosten die Vorschläge? Welche sind die Auswirkungen auf den Staatshaushalt und die Verschuldung? Diese Arbeitsgruppe formuliert Antworten auf diese und viele andere Fragen.
  • Feedback aus der Praxis (unter der Leitung von Luc Aucremanne/BNB)
    Diese Arbeitsgruppe analysiert mögliche Probleme und Vorschläge, die uns aus der Praxis erreichen.
  • Finanzierung und Unterstützung von Großunternehmen  (unter der Leitung von Koen Vanloo/SFPI)
    Diese Arbeitsgruppe widmet sich dem Finanzierungs- und Unterstützungsbedarf von Großunternehmen.
  • Finanzierung und Unterstützung von KMU und Selbständigen (unter der Leitung von Pierre Hermant/Finance Brussels)
    Diese Arbeitsgruppe widmet sich dem Finanzierungs- und Unterstützungsbedarf von kleinen und mittleren Unternehmen und Selbständigen.
  • Finanzierung und Unterstützung von Arbeitnehmern und Privatpersonen (unter der Leitung von Tim Hermans/BNB)
    Diese Arbeitsgruppe widmet sich dem Unterstützungsbedarf von Haushalten, Privatpersonen und Arbeitnehmern.
  • Kommunikation unter der Leitung von Geert Sciot/NBB)
    Diese Arbeitsgruppe koordiniert alle Kommunikationsbemühungen der ERMG.

ERMG-Umfragen

Tausende belgische Unternehmen werden wöchentlich zu den Auswirkungen von COVID-19 auf ihre Tätigkeit befragt.

Unter der Koordinierung der BNB und der VBO haben sich eine Reihe von Verbänden von Unternehmen und Selbständigen (BECI, Boerenbond NSZ, UNIZO, UWE und VOKA) zusammengeschlossen, um im Rahmen der ERMG eine groß angelegte wöchentliche Umfrage bei Tausenden von Unternehmen mit Sitz in Brüssel, Flandern und Wallonien durchzuführen. Anhand dieser Umfrage wurden die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Wirtschaftstätigkeit in Belgien und die finanzielle Solidität der befragten belgischen Unternehmen bewertet. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass sich die Umfrage auf Unternehmen des privaten Sektors konzentriert. Es ist daher anzumerken, dass bestimmte öffentliche Sektoren wie das Unterrichtswesen nicht einbezogen wurden, obwohl sie auch betroffen sind. Die Ergebnisse dieser einzigartigen Zusammenarbeit werden jeden Freitag veröffentlicht.

Die Ergebnisse der letzten Umfrage sowie der vorherigen finden Sie hier: Ergebnisse der ERMG-Umfrage