Pressemitteilung - Working Paper 113

Die Verbreitung des Keynesianismus: ein Vergleich der belgischen und italienischen Erfahrungen

Keynes’ Wirtschaftslehre dominierte in den Fünfziger- und Sechzigerjahren das wirtschaftliche Denken und die makroökonomische Entscheidungsfindung. Die Verbreitung des Keynesianismus erfolgte jedoch nicht gleichmäßig. In diesem Dokument vergleichen wir die Verbreitung der keynesianischen Lehre in zwei Ländern Westeuropas, nämlich in Belgien und Italien, miteinander. Wir beschränken uns dabei auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, wobei wir als Hauptaussage der Keynesschen Theorie die Behauptung betrachten, dass der Markt als solcher instabil ist und der Staat eine wichtige Rolle im wirtschaftlichen Leben spielt, indem sie die reale Nachfrage steuert. Ansonsten folgen wir Coddingtons Unterscheidung zwischen „hydraulischem“, „Ungleichgewichts-“ und „fundamentalistischem“ Keynesianismus. Die Untersuchung zeigt, dass es sich bei Italien und Belgien um zwei Länder handelt, in denen die Keynessche Wirtschaftstheorie erst relativ spät an Bedeutung gewonnen hat. Der Durchbruch des (hydraulischen) Keynesianismus erfolgte in entscheidungsnahen Bereichen: Erstellung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, Entwicklung makroökonomischer Modelle und Ausgleich regionaler Ungleichgewichte. Der Hauptunterschied zwischen den beiden Ländern war die Tatsache, dass in Italien der fundamentalistische Keynesianismus im akademischen Milieu stark vertreten war, während in Belgien die Ungleichgewichtstheorie einflussreicher war.

Dieses Working Paper hat später zu einer Veröffentlichung geführt in Journal of the History of Economic Thought, Vol. 30, No. 2, December 2008, p. 491-509.